Jürgen Münzner
Birkenweg 24
18565 Kloster / Hiddensee
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Vineta (Wineta, Wendenstadt)*,
nach der Sage ein berühmter wendischer Handelsplatz des
Nordens auf der Insel Wollin, soll noch im fünften Jahrhundert die größte Stadt Nordeuropas gewesen sein und erst im 12. Jahrhundert durch ein Erdbeben oder eine Sturmflut ihren Untergang gefunden haben. Untersuchungen durch Taucher haben keinen Anhalt für die Existenz einer vom Meer verschlungenen Stadt gegeben; vielmehr spiegelt sich in der Sage von Vineta die Geschichte der berühmten Wikinger Feste Jomsburg (Jumne oder Jumneta) und der großen Handelsstadt Julin auf Wollin wieder, welche beide zu Ende des 12. Jahrhunderts von den Dänen zerstört wurden.
Vgl. Barthold, Geschichte von Rügen und Pommern, Band eins (Hamburg 1839); H. Müller, Hermanni Henrici ab Engelbrecht de Wineta commentatio (Marburg 1877).
Vineta ist vor Koserow auf der Insel Usedom versunken. Der Historiker David Chyträus** schreibt in der Chronicon Saxiniae im 16. Jahrhundert vom Vineta jenseits des Peeneflusses beim Dorfe Damerow. Damerow liegt nahe bei Koserow. Für Chyträus war Usedom das Land der Vineter, während Julin auf Wollin von den Pomoranen bewohnt wurde.
Laut Rudolf Virchow*** war Wollin vor tausend
Jahren eine reiche und mächtige Stadt mit bis zu zehntausend Einwohnern. Virchow war überzeugt das Wollin das ehemalige Vineta ist. Ausgrabungen deutscher und polnischer Archäologen seit den 1930er Jahren in der Stadt Wollin stützen diese These und brachten Hinweise, dass sich dort vom 10. bis zum 12. Jahrhundert ein bedeutender Seehandelsplatz mit einer großen Siedlung befand.
Nach der These von Goldmann und Wermusch**** lag Vineta bei Barth.
Hiernach floss die Oder über Anklam und Demmin nach Barth und die Peene mündete bei Demmin in die Oder statt wie derzeit ins Stettiner Haff zu fliesen.
Adam von Bremen***** schrieb über Vineta:
Hinter den Liutizen,
die auch Wilzen heißen, trifft man auf die Oder, den reichsten Strom des Slawenlandes. Wo sie an ihrer Mündung ins Skythenmeer fließt, bietet die sehr berühmte Stadt Jumne für Barbaren und Griechen in weitem Umkreis einen viel besuchten Treffpunkt. Weil man sich zum Preise dieser Stadt allerlei Ungewöhnliches und kaum Glaubhaftes erzählt, halte ich es für wünschenswert, einige bemerkenswerte Nachrichten einzuschalten. Es ist wirklich die größte von allen Städten, die Europa birgt. Die Stadt ist angefüllt mit Waren aller Völker des Nordens, nichts Begehrenswertes oder Seltenes fehlt. Hier zeigt sich Neptun in dreifacher Gestalt, denn die Insel wird von drei Meeren bespült, eins davon soll von tiefgrünem Aussehen sein, das zweite weißlich; das dritte wogt ununterbrochen wildbewegt von Stürmen. Von dieser Stadt aus setzt man in kurzer Ruderfahrt nach der Stadt Demmin in der Peenemündung über, wo die Ranen wohnen.
Adam von Bremen schrieb, dass die Ranen auf Rügen siedeln, das der Stadt Jumne benachbart ist, und wo Jumne läge, scheidet die Oder die Pommern von den Wilzen.
Helmold von Bosau****** überschrieb Kapitel seiner Slawenchronik mit "Über die Stadt Vineta". Den größten Teil hat Helmold
von Bosau wörtlich die Beschreibung Jumnes von Adam von Bremen übernommen, mit einem Unterschied, Helmold von Bosau schreibt über Vineta in der Vergangenheitsform.
1170 beschreibt Helmold von Bosau das Ende Vinetas: Ein König der Dänen soll diesen höchst wohlhabenden Platz mit einer sehr großen Flotte angegriffen und völlig zerstört haben. Die Überreste sind noch jetzt vorhanden.
Die Sage von Vineta
Durch den moralische Verfall der Stadt Vineta, den Hochmut und die Verschwendung der Bewohner ist Vineta bei einer Sturmflut untergegangen.
Drei Monate, drei Wochen und drei Tage vor dem Untergang von Vineta erschien über dem Meer die Stadt Vineta mit allen Häusern, Türmen und Mauern als farbiges Lichtgebilde.
Die Ältesten rieten allen Einwohnern daraufhin, die Stadt zu verlassen, denn sehe man Städte, Schiffe oder Menschen doppelt, so bedeute das immer den Untergang. Doch die Bewohner Vinetas kümmerten sich in ihrem Mangel an Demut nicht darum.
Niemand beachtete die letzte Warnung der einige Wochen später dicht vor Vineta aus dem Meer auftauchenden Wasserfrau die dreimal mit hoher, schauerlicher Stimme rief - Vineta, Vineta, du rieke Stadt, Vineta sall untergahn, wieldeß se het väl Böses dahn (Vineta, Vineta, du reiche Stadt, Vineta soll untergehn, weil sie hat viel Böses getan).
Noch heute sind die Glocken der versunkenen Stadt aus den Tiefen des Meeres zu hören.
Vineta eine Handelsstadt der westslawischen Wenden ist warscheinlich mit der Jomsburg aus der Zeit von Harald Blauzahn und Sven Gabelbart identisch. 
Vineta wurde durch den Handel mit dem in dieser Gegend an der Ostsee vorkommenden Bernstein reich.
970 berichtete der Gesandte des Kalifats Córdoba, Ibrahim ibn Jaqub dass in Pommern eine große Hafenstadt mit zwölf Toren liegt, deren Streitmacht allen anderen Völkern des Nordens überlegen ist.
Adam von Bremen schildert Vineta im 11. Jahrhundert als eine der größten und reichsten Städte Europas und nennt die Stadt Jumme. Es sei die größte Stadt in Europa, Vineta biete für Barbaren und Griechen in weitem Umkreis einen viel besuchten Treffpunkt.
Früher glaubte man, dass die Stadt durch die Lage an der Dievenow, einem Mündungsarm der Oder, verkehrstechnisch für große Schiffe zu ungünstig lag und deshalb Bedeutungslos wurde.
Der Mediziner und Archäologe Rudolf Virchow versuchte durch Grabungen bei Wollin, diese These zu beweisen. Deutsche Grabungen in den 1930er Jahren, und spätere polnische Grabungen seit 1950 legten einen großen Seehandelsplatz mit einer dazu gehörigen Siedlung auf dem Gelände der Stadt Wollin frei.
Nach neuesten Hypothesen soll Vineta nicht bei Wollin gelegen haben, weil Wollin erst nach der Zerstörung Vinetas aufblühte, was sich aber nicht mit den Ergebnissen der archäologischen Untersuchungen in Wollin in Übereinstimmung bringen lässt.
Vineta soll danach möglicherweise 1159 bei der Christianisierung der Wenden von einer dänischen Flotte zerstört worden sein.
Die neuen Hypothesen gehen von der Existenz eines westlichen Mündungsarmes der Oder aus, an deren Mündung Vinetalag. Dieser heute nicht mehr existierende Mündungsarm könnte von der unteren Oder über das Welsebruch, die Niederung der Uecker und der Randow, die Große Friedländer Wiese,
durch das Tal des Großen Landgrabens und der Tollense an Friedland und Demmin vorbei durch die Niederung des Trebelkanals und der Recknitz geflossen sein (Demmin war Hansestadt, könnte also neben der Peene auch an einem schiffbaren Fluss gelegen haben).
Die Betrachtung der Höhenverhältnisse und die Annahme, dass der Wasserspiegel der Ostsee nicht konstant war, stützen die Hypothese, nach der sich jetzt Barth als Vineta ansieht.
Allerdings konnten dafür noch keine eindeutigen archäologischen Nachweise erbracht werden und die als Beleg herangeführten chronikalischen Nachrichten des 16. und 17. Jahrhunderts kann man nicht als authentisch dafür ansehen.
Die Frage, ob es Vineta gab und wenn ja, wo lag Vinata ist damit weiterhin offen und gibt Raum für zukünftige Untersuchungen und Hypothesen.
Vineta - Literatur
Das Gedicht
"Vineta" von Wilhelm Müller (1794–1827) hat die Legenden von Vinata als Thema, Johannes Brahms vertont das Gedicht 1860 für sechsstimmigen Chor mit Klavierbegleitung (op. 42 Nr. 2).
In den 20er Jahren schrieb der Salonmusikkomponist John Lindsay-Theimer einen Valse boston "Vineta-Glocken".
Vineta ist der Titel eines Liedes der Puhdys (Puhdys 1, 4. Titel).
Vineta ist Titel eines Liedes von Michael Heck.
Der Selma Lagerlöfs Roman, die wunderbare Reise des kleinen Nils Holgersson mit den Wildgänsen ist eine Nacherzählung der Vineta-Sage.
Im Roman Ein Nashorn für den Papst (1996) des englischen Schriftstellers Lawrence Norfolk ist die Vineta-Sage ein zentrales Thema.
Vineta - Orte
Im Zentrum des Kieler Stadtteils Gaarden liegt der Vinetaplatz.
In Berlin gibt es die Vinetastraße mit gleichnamigem U-Bahnhof.
Vineta - Museum
Lange Straße 16
18356 Barth
Öffnungszeiten:
Di-Sa: 10.00 - 12.00 Uhr
13.00 - 17.00 Uhr
So: 14.00 - 17.00 Uhr
Quellen:
* Meyers Konversations Lexikon,
3. Auflage,
XV. Band
23 Juli 1878
Wikipedia die freien Enzyklopädie
** David Chyträus
geb. 26.02.1530 in Ingelfingen
gest. 25.071600 in Rostock
war führenden Vertreter der Spätreformation, evangelischer Theologe, Historiker, Schulorganisator, Fachmann für antike Geschichte, Chronologie und Topographie.
***Rudolf Virchow
geb. 1821 in Schivelbein, Pommern,
war Pathologe, Politiker, Begründer der Zellularpathologie und Mitbegründer der modernen Anthropologie und Ethnologie.
****Klaus Goldmann und Günter Wermusch
Vineta. Die Wiederentdeckung einer versunkenen Stadt.
Verlag: Lübbe
*****Adam von Bremen
Kleriker und Theologe aus Bremen,
geb.: 1050
gest.: 1081/1085
Adam von Bremen stammte warscheinlich aus Bamberg in Obergermanien (saxonia superior). Unter Erzbischof Adalbert von Bremen wurde er ca. 1066 Domherr von Bremen. 1069 von der Reise zu König Sven Estridsson aus Dänemark zurückgekehrt, wurde Adam von Bremen Domscholast - magister scholarum, Leiter der Klosterschule.
Um 1075 verfasste Adam von Bremen unter ausgiebiger und sorgfältiger Benutzung alter Chroniken und Urkunden und der aus Dänemark mitgebrachten Berichte sein bekanntestes Geschichtswerk die Gesta Hammaburgensis ecclesiae pontificum.
Die Gesta Hammaburgensis ecclesiae pontificum unfasste vier Bücher über die Geschichte des Erzbistums Hamburg und die Inseln des Nordens. Das Werk berichtet ausführlich über die Wikingerzeit, die Verhältnisse und Kriege im Ostseeraum sowie in den Gebieten der heutigen Staaten Großbritannien, Dänemark, Norwegen, Schweden und Norddeutschland. Auch die damals am weitesten entfernten Weltgegenden Island, die Färöer, Orkney und Grönland sowie ihre Christianisierung werden erwähnt. Zudem berichtet Adam von Bremen ausführlich über die Slawen (Sclavi) im heutigen Deutschland. Seine Berichte gelten als eine zuverlässige Darstellung und Adam von Bremen als einer der besten Historiker des Hochmittelalters.
******Helmold von Bosau - Chronist und Geistlicher.
geb.: 1120 im Raum Goslar
gest.: nach 1177 in Bosau, Holstein
Helmolds Chronica Slavorum beschreibt die Geschichte der Kämpfe mit den Slawen und der christlichen Mission bei den Slawen ab Karl dem Großen.
Die Chronica Slavorum ist die wohlunterrichtete zeitgenössische Quelle über die Zeit Heinrichs des Löwen bis 1170.
Die Chronica Slavorum ist nicht unbedingt zuverlässig und unparteiisch, da Helmold eine prosächsische und anti-bremische Position vertritt.
Seine Chronik gilt heute als bedeutendste Schriftquelle Niederdeutschlands aus dem 12. Jahrhundert.
Die Chronica Slavorum wurde von dem Abt Arnold von Lübeck bis 1209 fortgesetzt.
Auf Ihren Besuch freuen sich,
Monika & Jürgen Münzner,
Kloster / Hiddensee / Rügen, 13.05.2008 10:56:50 Uhr
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